Kostbare Miniaturen in der Messehalle
Die "Wörthersee Classics" standen einen Abend lang im Zeichen der Lieder von Hugo Wolf.
Im Gegensatz zu den vier anderen Hauptkomponisten des Wörthersee-Classics-Festivals sind die Beziehungen Hugo Wolfs zu Kärnten eher unbedeutend. Es bedarf jedoch keiner Rechtfertigung, ein knappes Dutzend seiner Lieder in ein Konzertprogramm aufzunehmen. Schon gar nicht im Jahr der hundertsten Wiederkehr seines Todestages (nicht Geburtstages, wie im Programmheft irrtümlich festgehalten wurde!), noch dazu, wenn deren Interpreten Ildiko Raimondi und Charles Spencer heißen.

Schöngesang. Da ist selbst der unwirtliche Aufführungsort, die "Wörtherseehalle" im Messegelände, rasch vergessen. Die in Rumänien geborene Sopranistin blieb in ihrer mehr als zehnjährigen Zugehörigkeit zur Wiener Staatsoper eine der sympathischsten und natürlichsten Persönlichkeiten in ihrem Beruf. Wie sie die kostbaren Liedminiaturen des in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommenen Hugo Wolf mit sparsamen Mienenspiel, einem koketten Augenaufschlag oder einem leichten Schmunzeln auf den Lippen ihren Zuhörern vermittelt, nehmen diese ebenso beglückt zur Kenntnis, wie ihren makellos reinen Schöngesang, von dem jedes Wort zu verstehen war.

Von kleinen Dingen. Auch nur einen Titel der Vertonungen von Texten Eduard Mörikes, Goethes ("West-östlicher Divan") oder Paul Heyses ("Italienisches Liederbuch") zu nennen, würde die ungerechte Vernachlässigung eines anderen bedingen. Zumal Charles Spencer auf dem Bösendorfer Flügel - den unzumutbaren akustischen Voraussetzungen zum Trotz - mehr als nur eine Ahnung davon gab, wie feinsinnig der Komponist seinen Part niedergeschrieben hat. Eine Zeile (von Heyse) mag für alle stehen: "Auch kleine Dinge können uns entzücken."

Von Ernst Scherzer