Des Schicksals Hammerschläge
Eröffnung der 3. Wörthersee Classics: Mahlers „Sechste“ wurde - umgarnt vom akustischen Schleier der Messehalle — exzellent musiziert.
HELMUT CHRISTIAN Sie sind der heurige Udo Jürgens“, so wurde Alois Brandstätter angesprochen, als feststand, dass er im Jahr nach dem Schlagerbarden die Eröffnungsrede bei „Wörthersee Classics“ halten werde. Dies tat er dann auch sehr gekonnt. Mit geschliffenen Worten spannte der Schriftsteller einen weiten, literarisch gewürzten Bogen vom Genius loci Gustav Maklers bis zur heutigen Eventkultur und dem GTI-Treffen, von der Seenlandschaft, die einst Künstler zu großen Werken inspirierte, bis hin zur Seelenlandschaft von Mahlers „Sechsten“, die dieser in den Sommermonaten 1903/1904 im Komponierhäuschen in Mai- ernigg geschrieben hatte…

Man kann nur erträumen, wie alles in einem in Klagenfurt schon seit Jahrzehnten fehlenden größeren Konzertsaal mit guter Akustik geklungen hätte, zumal sich „The George Enescu Philharmonic“ aus Rumänien als exzellenter Klangkörper erwies, der sich durch hohe Präzision und nahezu perfekte Intonation auszeichnete. Mahlers Klanggewalten erklangen unter dem gut vorbereiteten Alexei Kornienko mit großer Dynamik…

Starker Applaus, dem schon zu Beginn die Festlegung des Landeskulturreferenten vorausgegangen war, dass dieses Festival eine Fortsetzung finden werde.

KULTUR KLEINE ZEITUNG, SONNTAG, 20. JUNI 2004

Faszinierendes Mammutwerk
"Das Lied von den Hohen Bergen": Umjubelte Uraufführung eines Orchesterlieder-Zyklus von Alfred Stingl dei den "Wörthersee Classics".
Klagenfurt. Sechs Jahre hat Alfred Stingl an diesem Opus gearbeitet, eineinhalb Jahre davon allein an der "respektvollen" Auswahl der Texte. Diese stammen von Friedrich Nitzsche (überwiegend aus dem "Zarathustra"), dessen Sprachkunst und Hintergründigkeit den Kärntner Komponisten schwer beeindruckten. "Das Lied von den Hohen Bergen" hat aber auch autobiografische Züge, denn wie Zarathustra zieht sich auch Alfred Stingl immer wieder in die Einsamkeit der Berge zurück.

110 Musiker, ein aufwändiges Instrumentarium, mit allen dreizehn Schlagwerkern, einen Sprecher und einen Sänger sieht die Partitur vor. Nun kam es bei "Wörthersee Classics", nachdem zuvor die Passacaglia von Anton Webern gegeben wurde, zur umjubelten Uraufführung...

"The George Enescu Philharmonic" konnte all diese intensiven Stimmungen mit seinen ausgezeichneten Musikern ideal vermitteln...

Viel Spannung ging vom Dirigenten Jonathan Brett aus, der mit präziser, manchmal etwas exzentrisch wirkender Zeichengebung agierte...
Kleiner Zeitung - Freitag, 21. Juni 2004

Philharmonische Pracht
Wie Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti ließen die ‚Wörthersee Classics“ in der Messehalle Klagenfurt glanz- und effektvoll ausklingen.
HELMUT CHRISTIAN 1 1etzte hektische Kartensuche, etliche Fans, die noch hofften, trotz des sei Monaten ausverkauften Konzertes in den Saal zü gelangen. Dieser war auf weit über 2000 Sitzplätze erweitert worden und randvoll gefüllt, mit viel Prominenz in der vorderen Reihen. Schließlich wollte man sich die Wiener Philharmoniker nicht entgehen lassen, denn Auftritte des Luxusorchesters in Kärnten sind rar und waren bis- her auf den Carinthischen Sommer beschränkt. Die „Wörthersee Classics“ machten es möglich sie wenn auch nur in der Messehalle, in Klagenfurt zu erleben, noch dazu mit Riccardo Muti am Pult…

Der Maestro: präzise, fordernd, tänzelnd, lässig, große dynamische Schattierungen produzierend aber immer mit größter Eleganz. Die „Wiener“: in absoluter Ubereinstirnmung, je seiner Gesten umsetzend, exakt, mit üppigen, teils raffinierten Klangfarben und zündender „Italianiata“. Kleiner Zeitung. Freitag, 25, Juni 2004