2010: Das Festival der Superlative

Ein brillanter Festival-Ausklang

Im Finale des Woerthersee Classics Festivals begeisterte ein hochkarätiges Kunstereignis die Sinne. Gustav Mahler ist seit Beginn des Woerthersee Classic Festivals Eckpfeiler der Konzertprogramme. Zum 150. Geburtstag hatten sich Elena Denisova, Intendantin des Festivals, und Programmdirektor Alexei Kornienko, eine spezielle Würdigung des Komponisten ausgedacht.


 „Die Große Mahler Gala“ am 10. Juli vereinte eine Vielzahl von Künstlern auf der Bühne der Alpe-Adria-Universität Klagenfurt. Und ein zahlreiches Publikum, das trotz tropischer Hitze gespannt den ungewohnten Hörsaal bevölkerte. Doch das Ambiente machte Sinn, hatte doch der bekannte Mahler-Forscher, Bearbeiter und Dirigent Gilbert Kaplan einen multimedialen Vortrag über Gustav Mahler vorbereitet.
 
Die erste Überraschung betraf die Akustik. Sie war erstaunlich gut und trug den Klang der Instrumente durch den ganzen Raum. Zwei Welt-Uraufführungen waren im Auftrag des Woerthersee Classics Festivals 2010 entstanden: die Symphonie Nr. 4 (1901), arrangiert von Yoon Kuk Lee für Kammerorchester. Lee selbst leitete das Orchester, welches sich aus zwei Ensembles zusammensetzte – dem Talich Kammerorchester Prag und dem österreichischen Gustav Mahler Ensemble.
 
Danach erklang Mahlers jugendliches Klavierquartett (1876) im modernen Bearbeitungs-Spiegel für Geige und Klavier von Pavel Singer. Als Solisten waren Festival-Intendantin Elena Denisova (Geige) und Programmchef Alexei Kornienko (Klavier) zu hören. Das Publikum folgte beiden Werken mit großer Aufmerksamkeit und Ergriffenheit und belohnte die Künstler danach mit begeistertem Applaus.

Nach der Pause fasste der Auferstehungschoral / Resurrection Chorale von Gilbert Kaplan alle Chorteile von Mahlers Auferstehungs-Symphonie (1895) in einem neuen Chor-Orchester-Werk zusammen, das in Klagenfurt seine Europäische Erstaufführung erlebte. Kaplan, der wohl profundeste Kenner der Zweiten Symphonie, leitete ebenfalls das vereinte tschechisch-österreichische Orchester; die Vokalsolistinnen waren Isabelle Garlicka und Livia Kretschmann, und als Chor war das Vocalforum Graz zu hören.

Insgesamt erwies sich die Kombination der drei Werke als Glücksgriff, der hohe Anerkennung und bleibende Eindrücke im Publikum hinterließ. Programm-Direktor Alexei Kornienko äußerte hohe Zufriedenheit mit dem künstlerischen Ergebnis des Abends und bemerkte zudem, dass ihm der Chor so gut gefiel, dass er selbst mit diesem in Zukunft zusammenarbeiten wollte.

Und der weitgereiste Gilbert Kaplan fasste es präzise in einem Brief an Intendantin Elena Denisova zusammen: „Gratulation für Ihre superbe Mahler Gala. Ich würdige und genoss unsere künstlerische Zusammenarbeit.“ 

Die Botschaft der Musik erreichte die Herzen

Einen großen Erfolg konnte das zum neunten Mal stattfindende Woerthersee Classics Festival verbuchen: Ungeachtet des vor allem am Samstag und Sonntag drückend heißen Wetters und der Fußball-WM strömten zu den Konzerten von 12. bis 14. Juni Musikfreunde aus ganz Kärnten und auch aus benachbarten Ländern ins Konzerthaus. Die Wochenend-Konzerte waren exzellent besucht, was sowohl für die Attraktivität der Werke wie der beteiligten Künstler spricht.

Intendantin Elena Denisova fasste unmittelbar nach dem Abendkonzert am 14. Juni die Ergebnisse  erfreut zusammen: „Wieder einmal mussten wir König Fußball begegnen und konnten sogar einen beachtlichen Erfolg erringen. In den ersten beiden Konzerten konnten wir mehr als 90% Karten verkaufen, und auch das Dieter-Kaufmann-Konzert am Montagnachmittag war gut besucht.“

Auch Alexei Kornienko, künstlerischer Leiter der Woerthersee Classics, ist hoch zufrieden: „Das Programm war anspruchsvoll und kam optimal beim Publikum an. Standing Ovations und lang anhaltender Jubel, dazu noch vielfach geäußertes Lob nach den Konzerten bestärken mich im Glauben, dass diese Konzerte zu den allerbesten zählten, die wir hier präsentieren durften.“

Die Philharmoniker aus Sofia erwiesen sich als spielfreudiges Ensemble, das in allen Orchestergruppen Einsatz und Können zeigte, und seinem Ruf, das beste Orchester Südosteuropas zu sein, alle Ehre machte.

Wunderschön verlief das Eröffnungskonzert, in dem Elena Denisova das Beethoven-Violinkonzert gestaltete und sehr aufmerksam, ja liebevoll von Dirigent Martin Panteleev und dem Sofia Philharmonic begleitet wurde. Kantilenen, die das Herz öffneten, erfüllten den Saal, und mit gewohntem Brio erfüllte die Künstlerin das Finale mit Schwung und Vitalität, wie man es sich besser nicht wünschen kann. Was das Orchester draufhat, zeigte es dann beim von Arnold Schönberg arrangierten Brahms-Klavierquartett, das höchste Präzision und unbedingten Einsatz, etwa im mitreißenden ungarischen Finale verlangt. Die Ovationen und der Jubel des Publikums nach beiden Werken zeigten, dass hier die Botschaft der Musik alle Herzen erreicht hatte.

Ähnlich dann der zweite Abend: Zuerst lockte ein großes romantisches Konzert – Rachmaninows Drittes. Alexander Sinchuk, 22jähriger Newcomer aus Russlands Fernem Osten, ein junger, eleganter Pianist, entpuppte sich als Meister des lyrischen Spiels, der zudem in den entscheidenden Steigerungen durch große Pranke und hochkarätige Virtuosität für Staunen sorgte. Man kann verstehen, warum Sinchuk im letzten Jahr den begehrten Rachmaninow-Preis für sich entscheiden konnte. Die Spannung des Publikums entlud sich in lang anhaltender Begeisterung.
Im Anschluss daran setzte Alexei Kornienko, seit Herbst 2009 Chefdirigent des Sofia Philharmonic, erneut die Stärken seines aufmerksamen Orchesters bei Hugo Wolfs „Penthesilea“ und bei Franz Liszts „Les Preludes“ eindrucksvoll in Szene, wobei sich Liszt feindynamisch reizvoll und voll lebendigen Innenlebens bis zu den großartigen Fanfaren des Hauptthemas aufschwang. Der Publikumsjubel danach kam spontan und war voll verdient.

Am dritten Tag fand sich eine aufmerksame Gemeinde zusammen, um Dieter Kaufmann zu würdigen. Der wohl bedeutendste österreichische Schöpfer elektro-akustisch erzeugter Musik wurde durch die Uraufführung seiner „Unpainted Poems“ (nach Texten der Kärntner Malerin Caroline) geehrt. Elena Denisova gestaltete den Violinpart und Gunda König den Text. Ilse Schneider moderierte.
Am Abend zeigte das venezianische Kammerorchester L’Offerta Musicale unter Riccardo Parravicini, wie schwungvoll und leichtherzig man Klassik südlich der Alpen zu spielen weiß. Beethovens „Eroica“ wies da und dort schon auf Verdi voraus, und die „Haydn-Variationen“ von Brahms erfreuten die Sinne durch ihre Transparenz und den tänzerischen Puls.

Kleine Zeitung, Juni 2010

„… der erst 22 jährige Alexander Sinchuk … phänomenaler Einspringer … enorm kraftvoll, mit vielen feinen Tönen und jugendlichem Temperament.“

Gedanken zum Festival 2010
von Intendantin Elena Denisova

Wir sind uns des Kulturauftrags und auch der ökonomischen Verpflichtungen bewusst, wie ein solches, mittlerweile weltweit anerkanntes Festival lebendig und interessant erhalten werden muss: Das Land Kärnten wie die Stadt Klagenfurt honorierten unsere Kulturarbeit durch ihre wertvollen Unterstützungen; und dennoch kann ein Festival dieser Reputation und Attraktivität in der heutigen Zeit nur durch eine Vielzahl engagierter Sponsoren aus der Wirtschaft und eine ultraschlanke Organisation seine Ziele erreichen.

Ein großes Potenzial liegt in den Synergien mit dem Kärntner Tourismus, der alljährlich im Frühsommer durch unser Festival neue Impulse gewinnt. Es ist ja auch zu bedenken, dass die internationalen Orchester, Künstler, Mitglieder der Presse und etliche Konzertbesucher Kärnten als Urlaubsland entdecken und hier nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern auch die alltäglichen Angebote des Marktes konsumieren.

In den acht Festival-Saisonen haben 1.200 Künstler (national und international), 320 Medienvertreter (von Norwegen bis Japan) und 25.000 Musikfreunde (national und international) das Wörthersee Classics Festival besucht. Das macht uns ein bisschen stolz und bestärkt uns in der Annahme, dass die Musikszene dieses Festival anerkennen und vor allem die Kärntner Musikfreunde gute Musik auf hohem Niveau zu schätzen wissen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch beim kommenden Festival !

Herzlichst Ihre

Elena Denisova Intendantin
Alexei Kornienko Programmdirektor

Das Wörthersee Classics Festival wird freundlicherweise unterstützt von